Was passiert am 6. Dezember? | Dr. Muthigs Corona-Ticker| #11

Aktualisiert: 29. Nov 2020

Covid-Zahlen, Todesfälle, Lambda-Kurven: Auswertungen wie sie so kaum im Netz zu finden sind. Und eine "Wette": Was passiert am Nikolaustag?

Liebe Leser:innen,

ich hatte Ende Juni aufgehört, meine Auswertungen zu veröffentlichen, weil es damals schien als sei „der Drops gelutscht“: die nachgewiesenen Infektionen nahmen stetig ab, Corona war beherrschbar und es gab viele andere Quellen im Netz mit ähnlichen Informationen.

Bis Ende September habe ich mich dagegen gewehrt, von einer „2.Welle“ zu sprechen. Der Verlauf der Infektionszahlen war eher wie das allmähliche Ansteigen des Meeresspiegels bei Flut. Es war kein exponentielles Verhalten wie bei einer „Welle“ erkennbar. Auch die Rückkehr der Urlauber hat nicht viel ausrichten können, nur ein kleiner „Buckel“ im Verlauf der Zahlen.

Seit Anfang Oktober haben wir wieder eine andere Situation, ihr kennt das alles aus den Medien. Die Zunahme der Fallzahlen hat eine neue Dynamik erreicht, wir sind dabei, die Nachverfolgbarkeit der Infektionsketten zu verlieren.


Und ich wurde wieder mehrfach nach meinem „Corona Ticker“ gefragt. Deshalb hier wieder ein paar Auswertungen, die so kaum im Netz zu finden sind. Herzliche Grüße Euer Dr. Helmut Muthig


  • Das Infektionsgeschehen ist auch während des „Lockdown light“ immer noch verhältnismäßig hoch. Das heißt, der exponentielle Anstieg ist zwar gestoppt, aber die Anzahl der täglich als positiv getesteten Personen bleibt auf einem hohen Level. Am besten ist diese Aussage zu erkennen an den Kurven der „7-Tages-Inzidenz“ (Abb.1). Dieser Parameter erlaubt den Vergleich des Infektionsgeschehens auf Landkreis-, Landes- und Bundesebene. Wir sehen, dass diesmal eine Abnahme der Inzidenz langsamer verläuft als bei der ersten Welle. Damals war sie 30 Tage nach Lockdown-Beginn wieder deutlich unter die Hälfte des Maximalwertes gefallen. Ob sie bis zum Jahresende wieder unter die Schwelle von 100 fällt, bleibt abzuwarten. Die Chance dazu besteht aber, siehe weiter unten.

Abbildung 1
  • Das Lambda-Verhalten Die aktuellen Tageswerte der gemessenen Neuinfektionen sind zu Aussagen über den längerfristigen Verlauf nur bedingt geeignet (Abb. 2). Man erkennt aber sehr schön, wie sich die jeweiligen Montags-, Dienstags-, usw. Werte verhalten. Die höchsten Werte tauchen immer Donnerstag/Freitag auf. Ich nenne das „das Lambda-Verhalten“, weil der Verlauf in jeder Woche wie der griechische Buchstabe λ ausschaut. Anhand dieser Zahlen sieht man auch deutlich den Stillstand auf hohem Niveau, als hätte es nie einen „Lockdown light“ gegeben.

Abbildung 2
  • Bayern-Österreich-Vergleich Länder mit härteren Einschränkungen erholen sich auch schneller (Abb. 3). Die Graphik zeigt den Unterschied zwischen Bayern und Österreich anhand der Zahl der aktiv Erkrankten. Der Anstieg in Bayern wird noch eine Woche anhalten.

Abbildung 3
  • Viel hilft viel Auch in der Dynamik des Geschehens während der 2. Welle im Vergleich mit der ersten sticht Österreich wieder hervor, wie schon beim letzten Mal, aber diesmal positiv (Abb. 4). Die Erkenntnis ist: härtere Einschränkungen bringen eine schnellere Erholung!

Abbildung 4
  • Mehr Tote als im Frühjahr Die Todesfälle haben eine Zahl erreicht, die über den Werten vom Frühjahr liegt. (Abb. 5). Sie werden noch eine ganze Zeit lang ansteigen, weil sie den Infektionszahlen um ca. 2 Wochen nachhinken.

Abbildung 5
  • Am Nikolaustag kommt der 2. Kipppunkt Meine Lieblingskurve, die uns Hoffnung geben soll: der Verlauf der Genesungen im Vergleich mit den Neuinfektionen. Wenn alles so weiterläuft, wie es sich bisher abzeichnet, werden wir am nächsten Wochenende („St. Nikolaus“) den 2. Kipppunkt (Abb. 6) erleben können. Dann übersteigt die Zahl der Genesungen wieder die Zahl der Neuinfektionen. Das bedeutet, dass die Zahl der aktiv Infizierten (Aktiv = Infizierte – Genesene – Gestorbene) erstmals wieder fallen wird. Und wenn dann auch noch die Neuinfektionen endlich sinken, schaut es bis zum Jahresende hin vielleicht gar nicht mehr so schlecht aus.

Abbildung 6
  • Prognose #11 Mit diesem Optimismus wage ich erstmals wieder eine Prognose über den weiteren Verlauf (Abb. 7). Wie bei der ersten Welle kann auch diesmal jeder mitverfolgen, ob es so kommen wird.

Abbildung 7